Mansholt
– „Streitend Umstritten“ Sicco Leendert Mansholt
Sonntag, 22. Juni 2008 bis 4. Januar 2009
Mansholt: Der Mann, der als Landwirt, Minister und
Europaparlamentarier Karriere machte. Mansholt stammte aus einer
sozialistischen Familie von Groninger Großbauern. Sein Großvater
besaß einen Hof in Meeden. Politik hatte er bereits mit der
Muttermilch eingesogen. Sein Vater war Mitglied der Sociaal
Democratische Arbeiders Partij (SDAP) bei der
Provinzverwaltung und Abgeordneter. Seine Mutter, Tochter eines
Amtsrichters aus Heerenveen, hatte als eine der ersten Frauen
des Landes Politische Wissenschaften studiert und organisierte
politische Haustreffen für Frauen. Sicco Mansholt wollte Bauer
werden und ließ sich 1937 im gerade erst erschlossenen
Wieringermeer nieder, wo er Agrarwirtschaft betrieb. Hier wurde
er Mitglied der SDAP, avancierte zum Sekretär der örtlichen
SDAP-Abteilung und hatte mehrere ander öffentliche Funktionen in
Wieringermeer inne, u.a. die des stellvertretenden
Bürgermeisters. 1938 trat Mansholt in die Ehe mit Henny
J. Postel. Sie brachten zwei Söhne und zwei
Töchter zur Welt. Während der Kriegsjahre engagierte Mansholt
sich aktiv beim Widerstand.
1958 wurde Mansholt einer der Kommissare der neu gegründeten
Europäischen Kommission und arbeitete als
Landwirtschaftskommissar an der Modernisierung der europäischen
Landwirtschaft. Mansholt war der geistige Vater des
Gemeinschaftlichen Landwirtschaftspolitik. Subventionierung der
Landwirtschaft war für Mansholt eine der Lösungen der
traditionell sozialistischen Frage, zu welcher Klasse die
Agrarbevölkerung eigentlich gehört (die Agrarfrage). Die
Subventionen – so meinte Mansholt - sollten aus Bauern Arbeiter
machen, weil sie dann ein geregeltes Einkommen hätten und somit
auch von den für Arbeiter zugänglichen Aspekten der bürgerlichen
Kultur, wie z. B. Urlaub, profitieren könnten. Als
Landwirtschaftskommissar war Mansholt eine zentrale Figur in
Brüssel.
Er
war auch Vizevorsitzender seiner dritten und letzten Kommission
(1968-1973). Als der Vorsitzende Malfatti im Jahre 1972
zurücktrat, um für das italienische Kabinett zu kandidieren,
wurde er für 7 Monate Vorsitzender der Europäischen Kommission.
In der Periode nach seiner Pensionierung ließ er sich stark vom
Club of Rome beeinflussen. Mansholt bedauerte zunehmend die
Einführung der Landwirtschaftssubventionen und Vergrößerung der
landwirtschaftlichen Betriebsflächen. Seine Versuche dies
rückgängig zu machen scheiterten allerdings, u.a. durch den
Widerstand vieler Bauern, die inzwischen von den Subventionen
aus Brüssel abhängig geworden waren. In den siebziger Jahren
hatte Mansholt eine außereheliche Beziehung mit der
Mitbegründerin der deutschen Partei „Die Grünen“, Petra Kelly,
die er seinerzeit bei der Europäischen Kommission kennengelernt
hatte. Unter ihrem Einfluss driftete er ideologisch so weit nach
links ab, weshalb ihn besorgte Freunde „Leendert Sicco Marx“
nannten. Alle erwähnten Aspekte werden in der Ausstellung
behandelt. Außerdem wird während der Ausstellungsperiode ein
Denkmal enthüllt und ein Symposium veranstaltet werden.