Home - Eintrittspreise - Öffnungszeiten - Ausstelllungen - Veranstaltungen - Links

 

 

 

Ausstellungsarchiv

Veenkoloniaal Museum

 
 

 


 

 

Op diese Seite finden Sie
das Expo Archiv.

 

 
     


extra: Riga auf Reise    Mansholt   
Sicher durch den Verkehr
 

 

In der Welt des Sozialismus“,

ANDRIS KOZLOVSKIS

im Rahmen des Fotofestivals Noorderlicht, Weißrussland und Kuba

11. September - 6. November 2011
 

„In der Welt des Sozialismus“ ist ein soziales Dokument des lettischen Fotografen Andris Kozlovskis (1975), der mit ergreifenden Fotos auf die erhalten gebliebenen alten Gebräuche der Einwohner der ehemaligen Sowjetrepubliken und Kuba eingeht.

Letztendlich will Kozlovskis die Menschen im täglichen Leben mit ihren Gewohnheiten und Spuren aus der Vergangenheit zeigen.

Der Betrachter muss diese selbst in seinen Fotographien entdecken. Kozlovskis fällt kein Urteil und verurteilt nicht, jeder Einzelne muss die Bilder mit seinen oder ihren eigenen Gedanken anschauen. In der Ausstellung im Veenkoloniaal Museum setzt Kozlovskis Weißrussland und Kuba in den Mittelpunkt. Der individuelle Mensch, der sich durch sein Gefühl sehr westlich fühlt, ist stark durch die Zeit geprägt, aber auch der westliche Mensch ist ebenso durch diese Zeit geprägt. Das Publikum in Veendam wird mit anderen Augen diese Fotographien sehen, als die Einwohner von Kuba und Weißrussland. Für sie bildet dieses Fotodokument oft auch eine Quelle von Freude und Wiedererkennung der eigenen Gesellschaft, die sich zwar verändert, aber noch viele Spuren der Vergangenheit in sich trägt. Der Betrachter muss selbst die Bilder interpretieren. Manchmal sieht er vielleicht Parallelen, aber sehr oft Gegensätze oder Stereotypen. Die Fotographien sind mit einer umgebauten digitalen Kamera aufgenommen, die Infrarot-Strahlung wahrnimmt – das unsichtbare Licht. Die Auswahl von Kozlovskis für diese Technik geht vorbei an Zeit und Raum. Andris Kozlovskis ist immer auf der Suche nach den schnell verschwindenden Spuren des Kommunismus und Infrarot betont die „Unsichtbarkeit“ der Vergangenheit in der heutigen Arbeitszeit.

 


 


 

Vom Segelschiff zum Einkaufsparadies

29.Mai - 25.September 2011
 

Im Archiv von Drenthe in Assen wird das umfangreiche Familienarchiv der Familie Vanderveen aufbewahrt, bei vielen besser bekannt als das Warenhaus Vanderveen in Assen. Das Veenkoloniaal Museum in Veendam verwandelt die Archive in eine Ausstellung. Das Warenhaus Asser ist eng verbunden mit den zur See fahrenden Pekelder Familien Oldenburger und Eemsinga. Die umfangreiche Korrespondenz gibt einen guten Eindruck vom Bild des 19.Jahrhunderts. Wir lassen sie hineinschnuppern in die napoleonische Zeit, Fehnbrände, der Krimkrieg, Seefahrtschule Veendam und den Aufschwung und Untergang der Veenkolonialen Seefahrt.

Die Briefe von Kapitän Albert Klaassens Oldenburger (1781-1840) und seinem Sohn Jan Alberts Oldenburger (1829-1880) geschrieben an die Nächsten der Familie, bilden den roten Faden. Die Briefe erzählen neben der Berichterstattung über die Reisen und die Frachten und überwiegend von den alltäglichen Dingen. So lässt sich Kapitän Jan Alberts Oldenburger sich 1880 ganz und gar in seiner Emotion mitreißen, als er über einen dreizehnjährigen Jungen schreibt, der auf grausame Weise in Den Haag ermordet wird. Die Strafen, so schrieb er vor mehr als 130 Jahren, sind viel zu niedrig und die Niederlande verludert... . Es sind übrigens die letzten Briefe, die er schrieb. Jan Albert Oldenburger ging mit seinem Schiff der Concordia unter in diesem Jahr, mit Mann und Maus im Golf von Riga und hinterließ Frau und Kinder ohne Einkommen. Seine Frau begann deshalb mit einem kleinen Laden, um für den Lebensunterhalt vorzusorgen. Mit den Töchtern von Doetje und Jan Albert entwickelte es sich gut. Sie folgten einer Ausbildung zu Modistinnen und gingen in die Modebranche oder fanden Arbeit in einer Näherei. Das Geld von der Versicherung hatte ihre Mutter gebraucht, um in Nieuwe Pekela einen Laden zu eröffnen. Handel lag wahrscheinlich schon in ihrem Blut, denn in der Zeit, als ihr Mann noch fuhr, war sie es schon gewohnt allerlei Handelsware, die sie während der Seereise kaufte, von zuhause aus zu verkaufen. Auch im neuen Geschäft zeigte sich derselbe Unternehmungsgeist. Tochter Antje erbte diesen Unternehmungsgeist. Es war wirklich eine selbstbewusste und unternehmungslustige Frau. Um 1890 zog sie nach Assen um bei der Firma Bertram die Arbeit mit anzupacken. Dort lernte sie den jungen Bareld van der Veen kennen. Bareld war Reisender für Textilien für Bertram. Vielleicht ist er schon in Pekela gewesen und er hatte Antje vielleicht überredet nach Assen zu kommen. Sicher ist es nicht, aber wie auch, beide fanden zusammen im Unternehmen. 1883 schrieb Antje schon an ihre Mutter:“ Assen ist die Zukunft für ein Geschäft. Es kommt durch die Kasernen so viel Volk nach Assen, das wir selbst mit dem einen oder anderen beginnen konnten.“ Und sie hatte recht. Das einfache Geschäft wuchs heran zum dem heutigen Warenhaus Vanderveen. Diese und andere spannende Geschichten, verbunden durch die Briefe der Oldenburgers, sind im Museum zu sehen.

 

Albert Klaassens Oldenburger


 

Sie fuhren übers Meer ...
internationale QUILT
Ausstellung

3.April - 28.August 2011

Zum zweiten Mal organisieren wir in Zusammenarbeit mit dem Sielhafenmuseum in Carolinensiel und der Quiltarbeitsgruppe MeerArt eine Wanderausstellung

Sieben niederländische und sieben deutsche Quilter machten sich zusammen an die Arbeit eines gemeinsamen Themas, wobei ein jeder seine eigene Inspiration im gewählten Thema sucht; eine Konzeption, die arbeitet. Die Arbeitsgruppe MeerArt ist nicht nur national, inzwischen auch international sehr erfolgreich und erhält regelmäßig Preise. Die vorherige Ausstellung war nicht nur in den Niederlanden und Deutschland zu sehen, sondern auch in der Schweiz und Tschechien. Wir wissen es fast mit Sicherheit, das die die von MeerArt hergestellten Kunstwerke nach Carolinensiel und Veendam auch an anderen Orten und Ländern zu sehen sein sollen. Wer Bekanntschaft gemacht hat mit unserer vorherigen Ausstellung weiß, wovon wir sprechen. Die von ihnen hergestellten Quilte sind wahre Kunstwerke die in unseren Ausstellungsräumen sehr gut zu ihrem Recht kommen.

Die Ausstellung „Sie fuhren übers Meer...“, internationale maritime QUILT Ausstellung zeigt viele Facetten dieser Seefahrt: Träume derer, die über die See emigrierten, die Erinnerung an verflogene Traditionen, aber auch Verzweiflung und Ängste von ihnen, die auf eine gute Fahrt hofften und Ausschau halten nach der Rückkehr. So machen wir mit den Quilts eine Reise entlang der maritimen Vergangenheit mit der bizarren Erzählung von Marie Celeste, die am 4. Dezember 1872 ganz verlassen vor der Küste vor Portugal gefunden wird. Oder, mit der bei vielen noch unbekannten Geschichte, von Zheng He, der 1421 mit einer Flotte von Dschunken die Weltmeere befuhr, um die Welt zu erkunden und unter anderem die Küste von Afrika, Australien und Amerika entdeckte. Mit seinem Wissen wurde nichts gemacht. Bei der Rückkehr gab es ein anderes Regime in China und seine Erkenntnisse kamen in die unterste Schublade. China sperrte sich von der Welt ab. Mit diesen ausgewählten Themen weiß MeerArt wieder zu überraschen und bringt durch Kreativität und Kunstsinn das Handwerk auf höchstes Niveau.

 


Henk Helmantel, In doppelter Perspektive

vom 23.Oktober bis zum 13.März 2011
 

                                

Zusammen mit dem Kloster in Ter Apel organisieren wir eine zweifache Ausstellung, wobei das Werk von dem Groninger Henk Helmantel, im Mittelpunkt steht. De Weem, das Museum in Westeremden wo Helmantel lebt und arbeitet, besteht in diesem Jahr nämlich genau 25 Jahre. Zeit für eine schöne Übersichtsausstellung.   

Henk Helmantel (1945) absolvierte seine Ausbildung von 1961 bis 1965 an der Academie Minerva in Groningen. Während seiner Ausbildung experimentierte er in verschiedenen Stilen, aber entschied sich schließlich doch für den Realismus. Im Jahr 1967 ließ er sich als Kunstmaler in seinem Geburtsdorf in Westeremden nieder.

Er hat sich bereits während der Jahre vor allem mit dem malen von Stillleben beschäftigt und (Kirchen) Interieurs in realistischem Stil. Seine Werke geben Aufschluss über die Stille. Er legt große Aufmerksamkeit auf den abstrakten Wert von seinen Kompositionen. Sein sehr realistischer Malstil erntet zum einen viel Bewunderung, aber wird zum anderen nicht durch jeden gewürdigt. Helmantel ruderte aber gegen die immerfort wieder wechselnden Kunstströmungen und folgte seinem eigenen Weg. Ein Weg, der im In- und Ausland auch viel Anerkennung erntet. Inzwischen sind schon verschiedene Ausstellungen im In- und Ausland gewesen, wo sein Werk zu sehen war, aber für Helmantel ist sein eigenes Museum, De Weem, das doch wohl Allerwichtigste. In einer mittelalterlich atmenden Atmosphäre präsentiert er dort sein Werk.

Ein ganz spezieller Auftrag dem er sich selbst stellte, war nämlich die völlige Rekonstruktion von „De Weem“, eine 1912 abgebrochene mittelalterliche Pastorei. Hierbei wurde ihm durch Fachkräfte und Freiwillige geholfen. Der Wiederaufbau fand in Teilstücken statt. In den Jahren 1974/1975, 1981, 1985 und 2004 kam das Ganze wie es nun in Westeremden zu sehen ist zustande. In dem Scheunenteil von „De Weem“ ist ein Ausstellungsraum erschaffen, um die eigene Sammlung der Bilder zu zeigen.

 Ein Teil der Bilder aus seinem Museum ziehen nach der Saison also zeitweise nach Veendam und Ter Apel. Während des Ausstellungszeitraumes werden sowohl im Klooster Ter Apel als auch im Veenkoloniaal Museum in Veendam Führungen durch die Ausstellung angeboten. Gruppen und Vereine können sich für Führungen anmelden.  Zusätzlich werden wir während der Dauer der Ausstellung an jedem ersten und zweiten Sonntag des Monats, außer am 2.Januar, eine Führung um 15.00 Uhr anbieten, wobei ausführlich auf das Werk von Helmantel eingegangen wird.

In beiden Museen gibt es eine Kombikarte zu kaufen in Form eines schönen Lesezeichens gegen eine stark reduzierte Gebühr! Das Veenkoloniaal Museum gibt während dieser Ausstellung einen Kunstbriefmarkenbogen heraus. Die Briefmarke kann normal für die Frankierung von Briefen und Karten verwendet werden. Ein Bogen besteht aus 10 Briefmarken und kostet € 7,50.


Antwort an Nico Bulder, 26.September bis 31.Oktober

Fast jeder in den Veenkolonien kennt den in Hoogezand geborenen Künstler Nico Bulder. Bulder entwickelte sich zu einem bekannten Grafiker, der verschiedene Bücher illustrierte. Doch ist es mehr oder weniger Zufall, dass er sich zu einem Künstler entwickeln konnte.  Wenn keine Rezession im Schiffsbau gewesen wäre, hätten wir wahrscheinlich niemals von Bulder gehört.  Bulder begann sein arbeitsreiches Leben bei der Schiffswerft Gideon in Groningen. Als die Werft dichtmachte, beschloss er die Maler- und Zeichenausbildung an der Academie Minerva zu besuchen. Nach dem 2. Weltkrieg dozierte er selbst in mehreren Fächern: radieren, batiken, Bleiverglasung und lithografieren. Seine Holzstiche werden in unterschiedlichen Büchern verwendet. Die Nico Bulder Stiftung setzt sich seit Anfang der neunziger Jahre ein, um dem Werk von Bulder die Aufmerksamkeit weiterhin zu geben. Der Besitz selbst, auch eine umfangreiche Sammlung mit Werken von Bulder, die teilweise in dem Depot vom Veenkoloniaal Museum untergebracht sind.

                                              

Die Ausstellung „Antwort an Nico Bulder“  ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Nico Bulder Stiftung und dem Dr. Aletta Jacobs Lehrbetrieb in Hoogezand. Die Schüler des Aletta Jacobs Lehrbetrieb bekamen den Auftrag das Werk von Nico Bulder gut zu studieren und sich durch sein Werk von Neuem inspirieren zu lassen. Dies ging hervor nach einer kleinen Ausstellung die Anfang des Jahres in der Koepelkerk in Sappemeer zu sehen war. Vom 26.September bis zum 31.Oktober können sie also die durch die Schüler entstandenen Werke bei uns im Museum sehen. Das Werk von den Schülern wird ergänzt mit originalen Werken von Bulder.


Janett Brown, ExTraherimus
28.5. - 10.10.2010 

„Die menschliche Hand bildet ihre Werke aus toter Materie genau nach den gleichen Formgesetzen, nach denen die Natur die ihrigen formt. Alles bildende Kunstschaffen des Menschen ist daher im letzen Grunde nichts anderes als Wettschaffen mit der Natur.“

Diese Aussage machte um 1900 der berühmte Kunsthistoriker Alois Riegl, der schon damals einen beständigen Wettbewerb der Kunst mit der Natur erkannte, aber nicht auf dem Gebiet der Nachahmung der Formen, sondern der Nachahmung der schaffenden Natur. Eine solche schaffende Natur ist auch Janett Brown. Sie erschafft ihre eigenen Naturräume, Welten und kosmischen Konstellationen. Es sind innere Landschaften, Welten, die tagesform- und stimmungsabhängig sind - Reflexionen, die den Ideenkosmos der Künstlerin spiegeln. Brown geht es um die Vernetzung von Ratio und Emotion, um ein Beobachten und Reflektieren der Außenwelt und parallel dazu ein Hineinhorchen in sich selbst. Letztlich geht es um eine „Synthese von äußerem Sehen und innerem Schauen“ wie es Paul Klee treffend in seinem Aufsatz „Wege des Naturstudiums“ formulierte.

Bei den meisten Arbeiten der Malerin zeigen sich seit 1995 zwei Arbeitsprozesse. Der erste ist sehr intuitiv, Farbe und Formen werden unbewusst gesetzt. Die Künstlerin setzt nicht nur den Pinsel ein, sondern beginnt mit Schwämmen, Fensterabzieher, Spachtel und ihren Fingern zu experimentieren. Die abstrakten Farbschöpfungen erhalten somit
starke Strukturen. Im zweiten Schritt nimmt sich die Künstlerin zurück. Sie schaut welche speziellen Farb- und Formkonstellationen entstanden sind und baut diese bewusst zu Figuren und Objekten oder individuellen Bewegungsströmen aus. Sie extrahiert die Essenz der Farbe und Form aus dem amorphen Farb- und Formgemisch und nennt dieses Vorgehen seit 2007 EXTRAHERISMUS. Janett Brown inspirieren neben den manchmal dramatisch inszenierten Wolkengebilden in ihrem Ammerländer Atelier in Bad Zwischenahn vor allem Farbkaskaden auf ihrer Leinwand. Sie erklärt: „Dann ziehe ich das anfangs Verborgene heraus… Ich verewige meinen Augenblick.“  Sie hält die dahin fließenden Formen auf, greift sich aus dem Meer der Möglichkeiten einige heraus und inszeniert sie. Dabei agiert sie wie viele Künstler, die amorphe Strukturen als Ideenkatalysator nehmen und damit dem jahrhundertealten Ratschlag Leonardo da Vincis folgen, der da lautet:„Eine neuerfundene Form des Schauens mag wohl klein und fast lächerlich erscheinen, ist aber doch sehr brauchbar um den Geist zu verschiedenerlei Erfindungen zu wecken. Sie besteht darin, dass du auf alte Mauern hinsiehst, die mit allerlei Flecken bedeckt sind, oder auf Gestein von verschiedenen Lagen. Hast du irgendeinen Vorgang zu erfinden, so kannst du da Dinge erblicken, die verschiedenen Landschaften gleich sehen,… ebenso allerlei Schlachten… und unzählige Dinge, die du in vollkommne und gute Form bringen magst… Durch verworrene Dinge und unbestimmte Dinge wird eben der Geist zu neuen Erfindungen geweckt… dasselbe gilt von der Asche im Feuer, von den Wolken oder vom Schlamm und andern solchen Stellen.“

Die Ausstellung in der cubus kunsthalle, duisburg gibt einen Einblick in ihr mehrjähriges Schaffen als Malerin. Thematisch zieht sich die Erkundung menschlichen Daseins durch das Werk wie ein roter Faden. Collageartig finden sich Gesichter, neben Tierkörpern, oft verwoben mit Symbolen und Zeichen. Hier scheinen ganze Geschichten parallel erzählt zu werden. Die Erzählstränge laufen auf unterschiedlichen Ebenen ab, scheinen sich zu verknüpfen, fließen aber wieder auseinander. Der Betrachter ist eingeladen zu entdecken: Gesichter, Menschen, Schicksale. Assoziationen werden geknüpft und die Bilder erhalten für jeden Betrachter eine andere Bedeutung.

Die Arbeiten der Künstlerin geben Denkanstöße, lassen vieles in der Schwebe und geben dem Betrachter den Freiraum sich in sie einzufühlen.
Janett Brown Werk besticht durch eine große Ausdruckskraft und ist zugleich ein stetes Ringen um Farbe und Form - Mal ein farbiges Feuerwerk und Mal eine kühne Reduktion auf das Wesentliche. Die Künstlerin zeigt in ihren Arbeiten das ständige Bedürfnis des Menschen, den Sinn in einer scheinbar chaotischen Welt zu finden und den eigenen Platz darin zu definieren – ein schier endloser Prozess wie die Bilder dokumentieren.

Textauszug: Dr. Christiane Braun, Kunsthistorikerin

 Vita

Janett Brown, 1963 in Iserlohn geboren, entstammt einer deutschkanadischen Künstlerfamilie, 1983 erlangte sie die Fachhochschulreife für Gestaltung, dann folgte die erfolgreich bestandene Aufnahmeprüfung an der Fachhochschule für Kunst und Design in Bielefeld. Bis 1995 war sie Mitglied der Künstlergruppe "Gildehauser Werkstatt" in Nordhorn und bis 2001 war sie Dozentin an der Freien Kunstschule Leer. Janett Brown ist freischaffende Künstlerin mit Atelier in Bad Zwischenahn im niedersächsischen Ammerland. 

Ausstellungen und Projekte

1995 Gemeinschaftsausstellung "Gildehauser Werkstatt"
1997 Kunstscheune Galerie Lübbertsfehn
1999 Wandelhalle Bad Zwischenahn
2000 Projekt Jugend -Theatertage Aurich
2000 Leeraner Kunstmeile
2000 Kunstscheune Lübbertsfehn
2000 Kunstprojekt in der gesamten Weser-Ems Region "Kuh-Kult A31"
2000 Kunst-Projekt "Kuh-Kult Borkum"
2000 Kunst-Projekt Kinderfest Aurich
2000 Foyer Rathaus Aurich, Städtisches Museum, Städtische Bücherei
2001 Altes Kurhaus Bad Zwischenahn, Klinik am Meer
2001 Großprojekt "Zwischenahner Kuhdamm" mit zahlreichen Events
2001 Gründung des Hinterhof-Ateliers in Bad Zwischenahn
2002 Weiterführung des Projektes "Zwischenahner Kuhdamm"
2003 Kunst-Projekt European Conference, Bad Zwischenahn
2003 Kunst-Projekt "Laatsen Parade" Izegem, Belgien
2003 Zusammenarbeit mit Cremona, Italien
2005 Nominiertes Kunstprojekt der Stadt Oldenburg "Oldenburger Pferde Stärken".
        1. Preis der Ausschreibung"Jahrhundertschritt 05" in technischer Zusammenarbeit mit dem Architekten Fenno Brockmann
2005 Gestaltung von Kunstbänken beim "Zwischenahner Bankgeflüster" im Rahmen der City-Offensive Niedersachsen
2005 "Flügel-Nashörner" Dortmund. Lebensgroße Kunst-Nashörner (
Produktion der Rohlinge)
2005 Projekt "Illustre Badegesellschaft", Fontana Golden Tulip, Nieuweschans/ Niederlande
2006 Zusammenarbeit mit Art Department Studio Babelsberg, Potsdam
2006 "Queen and King, Princess and Prince of Welsum", Bad Zwischenahn

 

 

Sinnvolles lernen für Jeden, 225 Jahre Gesellschaft zum Nutzen der Allgemeinheit,
29. März bis zum 29. August 2010

Das Veenkoloniaal Museum übernimmt vom Nationaal Onderwijsmuseum in Rotterdam die Wanderausstellung „Sinnvolles lernen für Jeden“. Diese Ausstellung wurde am 4.April 2009 durch H.K.H. Prinzessin Laurentin in Rotterdam eröffnet und war dort bis zum 29.August zu sehen. Am 29. März kommt die in Groningen geborene Staatssekretärin vom Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Sharon Dijksma, nach Veendam um die „Nut“
(= Nutzen) Ausstellung zu eröffnen. Der „Nut“ hat sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten unter anderem eingesetzt für das Unter-richten in Volksbildung, das Ausbilden von Lehrern und Lehrerinnen, das Gründen von Volksbibliotheken und das Gründen von Sparkassen. Dank der Initiativen von „Nut“ wird Grundschulunterricht zugänglich für jeden. Lesen lernen, Schreiben und Rechnen und ein recht schaffendes und spar-sames Leben führen, mussten für das einfache Volk möglich werden. Ein Zusammenleben mit „Nut“-bringenden Bürgern war immer das Ziel der „Gesellschaft zum Nutzen der Allgemeinheit“. Auch in unserer Region waren und sind verschiedene „Nut“ Vereinigungen aktiv.

Die „Nut“-Vereinigung in Wildervank gehört zu einer der größeren im Land. Ost-Groningen ist mit Departementen in Bellingwolde, Blijham, Gie-ten etc., Hoogezand-Sappemeer, Meeden, Nieuwe Pekela, Noordbroek, Oude Pekela, Vlagtewedde, Wildervank und Winschoten landesweit ge-sehen reich gesät mit Nut- Departementen. Der Ursprung von „Nut“ liegt in Noord-Holland. In der Zeit (Ende 18.Jahrhundert) brachten soziale An-teilnahme einen Pfarrer und einige einfache kleine Städter dazu, eine Ge-sellschaft zu gründen, die zur Förderung des allgemeinen Volksglücks er-richtet wurde und vor allem durch Initiativen zu nutzen auf dem Gebiet der Volksbildung. Das Unterrichtssystem war damals in den Niederlanden noch sehr notdürftig. Ein Taufgesinnter Pfarrer in Monnickendam, Jan Nieuwenhuijzen (1724 - 1806), schlug einen Plan vor um eine Gesellschaft für Volksbildung zu gründen. Das Ziel war Menschen, die dazu selbst nicht die Möglichkeit hatten, zu helfen, Wissen zu erwerben durch Versorgung mit (Schul-) Büchern, die in einfacher Sprache geschrieben waren. Diese Initiative wurde konkret ausgearbeitet durch seinen Sohn Martinus Nieuw-enhuijzen, Arzt in Edam. Er beantragte eine Gesellschaft zu gründen mit Zielsetzung der Verbesserung des Schulwesens und die Erziehung der Ju-gend als den wichtigsten Grundstein zur Bildung, Verbesserung und Ge-sittung der Bürger. Während der am 16. November 1784 in dem Taufge-sinnten Pfarrhaus in Edam gehaltenen Gründungssitzung wurde diese Ziel-setzung angenommen. Beschlossen wurde die Errichtung einer Gesell-schaft von Künsten und Wissenschaften, unter dem Sinnspruch: Zum Nutzen der Allgemeinheit. In Anlehnung entstanden später auch andere Departementen. Zu Beginn vor allem in Noord-Holland, Friesland und Gro-ningen. Die Schulbildung spielte dort auch eine wichtige Rolle. Bekannt war zum Beispiel der regionale Kindergarten für Kleinkinder. Später ver-schob sich die Aufmerksamkeit von „Nut“ und nun organisierte man über-wiegend Vorträge und Konzerte für ihre Mitglieder. Die Wanderausstellung ist ergänzt mit Beiträgen aus den Regionen Noord- und Oost-Groningen. So sehen wir als Teil der Ausstellung neben Originalen aus dem 19. Jahr-hundert „Nut“- Bilder, auch verschiedene Schultafeln, eine Idee von Be-rend Brugsma (1797 – 1868), der spätere Direktor von der Nutsweek-school  (nun Hanzehogschool) in Groningen. Zu der Ausstellung ist das Buch „Leerzame Prentjens“ für die Jugend erschienen und im Museums-laden erhältlich.
 


Auf die Gabel genommen, Landwirtschaftsgeräte von damals, vom 14.Februar bis zum 9.Mai 2010

Die Veenkoloniale Landwirtschaft war von Beginn der Urbarmachung des Fehngebiets sehr wichtig für die Entwicklung der Region. Als Erste haben sich in dem urbar gemachten Gebiet Bauernhöfe entlang der Kanäle in einem Abstand von 150 Meter angesiedelt. Die Landwirtschaft formte die Grundlage unserer Wirtschaft. Durch die Landwirtschaft fanden allerlei Zulieferbetriebe wie Schmieden und Stellmacher Beschäftigung entlang des Kanals. Die Entwicklung innerhalb der Drentse und Groninger Veen-kolonien verläuft ab dem 19.Jahrhundert dagegen wesentlich anders als im Rest der Niederlande. Kurz gesagt waren die Entwicklungen ziemlich stürmisch und der Ackerbau entwickelte sich überwiegend in Bezug auf den Anbau von Kartoffelstärke explosiv. Trotz der Umwandlung von ge-mischten Betrieben zu reinen Ackerbaubetrieben, blieb das kleine Hand-werkszeug wie Hacke, Rübengabel, Pflanzschürze und Pflanzkorb noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg in Gebrauch. Erst Ende der 50er Jahre, Beginn 60er Jahre fing der Zeitenwechsel an und all das kleine Zeug verschwand schnell in einer Ecke der Scheune, auf dem Schrotthaufen oder in einem von den vielen zugeschütteten Vierteln. Glücklicherweise sind sie neben recht wenigen privaten Ackerbaugeräten erhalten ge-blieben. Oft waren es alte Landwirte oder Menschen die eine Verbindung mit dem Ackerbau hatten. Einer von ihnen war Henk ter Borg in Borger-compagnie, der den monumentalen Bauernhof mit Sammelstücken be-wohnte. In seiner Scheune war eine Art Landwirtschaftsmuseum unterge-bracht. Man begegnete vielem, vom Stiefelknecht zur Maulwurfsfalle, von Pferdepantinen zur Kandare und vom Kippkarren zum Fuhrwerk. Ein Teil seiner Sammlung zeigen wir, ergänzt mit Material aus unserer eigenen Sammlung, in der Ausstellung „Auf die Gabel genommen“. Parallel haben wir ausführlich aus unserer Fotosammlung geschöpft und unser Dokumen-tenarchiv gesichtet. Die Ausstellung zeigt ein gutes Bild von dem, was ge-sammelt wurde. Die Sammlung von ter Borg bestand übrigens nicht nur aus Landwirtschaftsgeräten, sondern enthält auch noch eine angemessene Sammlung Torfstichgeräte.

Für die Sammlung ter Borg wird durch die Stiftung „Sammlung ter Borg“ noch eine ständige Unterbringungsmöglichkeit gesucht. Vielleicht ist diese Ausstellung der erste Ansatz, um irgendwo eine ständige Bleibe zu be-kommen.



 


Cornelis Dopper, Komponist zwischen Mahler und Mengelberg,

vom 18. September 2009 bis 7. Februar 2010.  

Das Veenkolonialmuseum in Veendam gedenkt im Jahr 2009 aufgrund des 70. Todestages dem niederländischen Komponisten Cornelis Dopper.

Dopper wurde am 7. Februar 1870 in Stadskanaal geboren und starb am 18. September 1939 in Amsterdam.

Freitagnachmittag, den 18. September 2009, Doppers 70. Todestag, wird im Veenkoloniaal Museum die Ausstellung Cornelis Dopper, Komponist zwischen Mahler und Mengelberg eröffnet. Dopper wird auch als niederländischster der niederländischen Komponisten angesehen. Sein Werk wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Orchestern auf der ganzen Welt aufgeführt; nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Werk von Dopper allmählich in Vergessenheit.

 


Cornelis Dopper,
Nederlands Muziek Instituut Den Haag.

Cornelis Dopper war das achte von neun Kindern, von denen die meisten bereits in jungem Alter gestorben waren. Cornelis wuchs in Stadskanaal auf.

Mit fünfzehn Jahren verlor er seinen Vater und zwei Jahre später seine Mutter. Im selben Jahr als Cornelis’ Vater Lucas starb, heirate seine ältere Schwester Grietje Johannes Kolkman. Der damals 31-jährige Kolkman wurde als Familienvormund eingesetzt. Das Verhältnis zwischen Cornelis und Kolkman war nicht gerade gut. Es waren zwei vollkommen verschiedene Persönlichkeiten, die nicht zueinander passten und ständig aneinandergerieten. Dennoch hat derselbe Kolkman den weiteren Werdegang von Cornelis beeinflusst. Kolkman war Klavierlehrer; der junge Cornelis Dopper war von seinem Klavierspiel so beeindruckt, dass er schließlich selbst Klavierunterricht nahm.

Im Oktober 1888 hatte er sich so weit einwickelt, dass er im Alter von 18 Jahren am Königlichen Konservatorium in Leipzig zugelassen wurde. Er erhielt Klavier- und Violinenunterricht und studierte musiktheoretische Fächer sowie Musikgeschichte. Letzteres Fach wurde von Professor Oskar Paul gegeben - ein großer Kenner der antiken Kultur. Er fand Dopper so talentiert, dass er ihm gestattete auch seine Lesungen an der Universität zu besuchen. Dies erklärt das Interesse Doppers für die alten Griechen, was in seinen Werken, wie z.B. in der Sinfonia epica (Doppers Fünfte Sinfonie) zurückzufinden ist.

„Von Oskar Paul habe ich am meisten gelernt. Er hat mir die Augen geöffnet für das, was Musik eigentlich ist“, würde Dopper später einmal sagen.

Die Periode nach seinem Studium in Leipzig war eine unglückliche. Er verblieb in Hoogezand, Groningen, Bad Ems an der Lahn und Balk und lebte relativ isoliert. Private Probleme und eine unerwiderte Liebe machten ihm zu schaffen.

1897 schienen sich die Aussichten für den 27-jährigen Dopper zu verbessern. Er wurde als zweiter Geiger an der Niederländischen Oper in Amsterdam angestellt. Der Operndirektor Cornelis van der Linden hatte Dopper bereits einige Jahre zuvor bei der Premiere von dessen Oper De Blinde van Castel Cuillé kennengelernt und war beeindruckt von seiner einnehmenden Persönlichkeit und seinen musikalischen Qualitäten. Mit Dopper verfügte er nicht nur über einen guten Geiger, sondern auch über jemanden, der Klavier spielen konnte und sich im Laufe der Jahre zu einem ausgezeichneten Korrepetitor und Chormeister entwickeln würde. Reich wurde er aber nicht davon. Fast zehn Jahre hatte Dopper in Amsterdam mit Mühe den Kopf über Wasser halten können; endlich aber zeigte sich ein Hoffnungsschimmer am Horizont. 1906 bekam er von verschiedenen Seiten Angebote und wurde schließlich Dirigent einer reisenden Operngesellschaft in den USA. Sechsunddreißig Jahre alt, unverheiratet und auf der Suche nach einer besseren Zukunft wagte er den Sprung.

Am Samstag, den 8. September 1906, ging er an Bord des Dampfschiffes Statendam. Nach zehn Tagen erreichte er New York, wo er mit den Probearbeiten begann. Acht Monate lang wurde jeden Abend vor ausverkauften Sälen Puccinis Madama Butterfly aufgeführt - von New York bis Vancouver, von Detroit bis San Francisco, von Kanada bis Mexiko. Wie eine Art André Rieu reiste er mit seiner Gesellschaft und einem Zug voll Requisiten durch Nordamerika. Eine spannende Periode, aber auch eine Periode, die ihm zu schaffen machte. Dopper hatte Heimweh, er sehnte sich zurück nach Amsterdam.

Im Jahr 1904, noch vor seinen amerikanischen Tourneen, hatte Dopper Kontakt mit dem damaligen Dirigenten des Concertgebouworkest Willem Mengelberg aufgenommen, um ihm seine Dritte Sinfonie, die so genannte Rembrandt-Sinfonie vorzuspielen. Mengelberg war sehr beeindruckt und versprach, die Sinfonie aufzuführen. Am 24. Mai 1906, ein Himmelfahrtstag, kurz bevor Dopper zum ersten Mal nach Amerika reiste, führte Mengelberg mit großem Erfolg die Sinfonie auf. Die Presse reagierte begeistert. Die Komposition der Rembrandt-Sinfonie bedeutete den Durchbruch für Dopper. Das Jahr 1906 stand nämlich im Zeichen von Rembrandt. In großem Stil wurde gefeiert, dass der Maler dreihundert Jahre zuvor geboren worden war. Obwohl Dopper sie nicht speziell aus diesem Anlass komponiert hatte, lag es doch nahe, dass Mengelberg die Rembrandt-Sinfonie in diesem Jahr aufführte. Aufgrund des großen Erfolges wurde die Sinfonie ein Jahr später noch einmal aufgeführt, wiederum unter der Leitung von Willem Mengelberg. Am Sonntagnachmittag, den 17. Mai 1908, durfte Dopper auf Einladung Mengelbergs selbst seine Rembrandt-Sinfonie dirigieren. Dieser erste Auftritt mit dem Concertgebouworkest bestimmte den weiteren Verlauf seines Lebens. Dank dieser Sinfonie wurde er zum zweiten Dirigenten des Concertgebouworkest ernannt.

1908 begann die kreativste Periode in Doppers Leben. Binnen 12 Jahren komponierte er vier weitere Sinfonien, womit es insgesamt sieben wurden. Auf dem Gebiet der Kammermusik schuf er viele vokale Werke (Lieder und Chormusik), u.a. ein Strijkkwartet (1914), das er unter dem Decknamen „Pallas Athene“ bei einem Komponistenwettbewerb einreichte, den er prompt gewann.

 Die freundschaftliche Beziehung zu Richard Strauss führte dazu, dass am 8. November 1918 Doppers Sechste Sinfonie, die Amsterdamse, unter der Leitung von Strauss in Berlin aufgeführt wurde. Das Konzert fand im Gebäude der Berliner Oper Unter den Linden statt, wo Strauss Dirigent der Königlichen Kapelle war. Es war das dritte Sinfoniekonzert der Saison. Der Erlös war für den Witten- und Waisenfonds bestimmt. Doppers Sinfonie wurde unter dem Titel Holländische Symphonie einem konservativen Stammpublikum vorgestellt. In jener Zeit spielten sich in Deutschland dermaßen dramatische Szenen ab, dass wichtige Zeitungen wie Berliner Morgenpost, Berliner Abendpost, Berliner Volks-Zeitung und Neue Preußische Zeitung das Konzert nicht erwähnten. Nur im Berliner Tageblatt erschien eine kurze kritische Note von Dr. Leopold Schmidt, der anmerkte, dass das Werk eher die Merkmale einer Suite als einer Sinfonie trage.

Es ist Richard Strauss selbst, der mit einem anerkennenden Brief an Dopper auf das Konzert zurück kam; verfasst im Berliner Hotel Adlon, unmittelbar nach der Aufführung, während draußen die Gewehrkugeln durch die Straßen flogen: 

„Ich habe heute am kritischen Tage Deutschlands Ihre famose Sinfonie gespielt. Sie wurde vom Orchester vortrefflich gespielt, hatte schönen Erfolg und hätte wohl noch besser gefallen, wenn das Publikum in besserer Stimmung gewesen wäre, als man heute verlangen konnte. Mir hat Ihr Werk sehr gefallen und ich wünsche demselben eine weitere glückliche Zukunft.“ 

Aber nicht jeder war so positiv. Einige Zeitgenossen kritisierten in scharfem Ton sein Werk. Allen voran Matthijs Vermeulen, der nicht davor zurückschreckte auch persönlich zu werden. Vermeulens Kritik erreichte im Dezember 1918 einen Höhepunkt, als er nach einer Aufführung von Doppers Zuiderzee-Sinfonie unter Leitung des Komponisten lautstarck und für jedermann zu verstehen die Worte „Es lebe Sousa!“ durch den Saal schrie. Dies war ein Verweis auf den amerikanischen Marschmusikkomponisten John Philip Sousa, der weltberühmt geworden war mit Märschen wie Stars and Stripes und The Washington Post. Diese sind auch heute noch sehr beliebt, damals aber war diese Anspielung eine Beleidigung für einen klassischen Komponisten. Ganz anders waren dagegen die Reaktionen im Ausland. 

Der Kommentator der Hamburger Nachrichten bezeichnete Dopper als den begabtesten und schöpferischsten niederländischen Tonkünstler seiner Zeit. Trotz aller Kritik wurde die Zuiderzee-Sinfonie eines von Doppers meistgespielten Werken, auch außerhalb der Landesgrenzen. Willem Mengelberg, Karl Muck, Pierre Monteux und Eduard van Beinum spielten die Sinfonie, Mengelberg stellte das Werk in den USA vor.

Fünf Jahre später, am Montagabend, den 12. November 1923, wurde die Sinfonie in Hamburg von der Hamburger Philharmonie unter der Leitung von Karl Muck in der beeindruckenden Musikhalle am heutigen Johannes Brahmsplatz aufgeführt. 

Wie sich nun zeigt war Dopper, nachdem er in Amsterdam eine feste Anstellung und finanzielle Sicherheit erlangt hatte, nicht untätig geblieben. Neben Kompositionen für Orchester und vier Opern schrieb Dopper auch Kammermusik, u.a. ein Streichquartett, eine Violinensonate sowie ein Sextett für Bläser und Klavier.

Doppers Interesse für die musikalische Entwicklung der Jugend veranlasste ihn, eine große Anzahl von Kinderchorwerken zu komponieren wie z.B. De Wilgen (Die Weiden), De zeven boeven (Die sieben Schurken) und Tom en Tim - kleine Kompositionen, die damals sehr beliebt waren.

Dopper führte 1923 mit Erfolg die Jugendkonzerte ein. Diese Konzerte begannen abends um sieben Uhr und endeten um halb neun. Jedes Konzert begann er mit einer fesselnden Einführung in begreiflicher Sprache. Bei der im Juli organisierten Evaluation konnte die Leitung des Concertgebouw sehr zufrieden feststellen, dass die Jugendkonzerte ein großer Erfolg waren. Selbst im Ausland blieb Doppers musikpädagogisches Werk nicht unbemerkt. Die französische Regierung ernannte ihn am 8. September 1923 zum Officier de l’Instruction Publique. 

Am 17. Dezember 1931, fand Doppers Abschiedskonzert statt - unter der Leitung von Willem Mengelberg, Eduard van Beinum und Dopper selbst. Auf dem Programm standen aufeinander folgend die Oud-Nederlandse danssuite (Altniederländische Tanzsuite), die Rembrandt-Sinfonie, die Ciaconna gotica und ein neues Werk: Nocturne voor altviool en orkest mit Frédéric Denayer als Solist. Eine Bearbeitung dieses Stückes für Altvioline und Orgel (datiert 12.Oktober 1937), widmete er seiner Schülerin Freifräulein M. van Riemsdijk. Die Presse qualifizierte Doppers Nocturne zurecht als „still und rein“, „musikalisch und tadellos“, „ein brillant geschaffenes Werk“. Das Konzert war live im Radio zu hören. Sein alter Freund Geert Teis Pzn schrieb hierüber: „Seine Gesundheit und vor allem seine Sehkraft hatte sich so schnell verschlechtert, dass es fast unmöglich war mit dem Orchester zu proben“. 

Mengelberg und dessen Frau Tilly, aber auch viele andere Kollegen blieben auch weiterhin, trotz seiner Krankheit, mit ihm in Kontakt.

Im Januar 1939 dirigierte Mengelberg,  Doppers Ciaconna in Wien. Per Telegramm ließ er den ernsthaft kranken Dopper am Erfolg teilhaben:

„CIACONNA AUSSERORDENTLICH GROSSER ERFOLG - HERZLICHE GLUECKWUENSCHE - GRUESSE UND GUTE BESSERUNG.“

Franz Achilles schrieb aus Anlass dieses Konzerts im Aachener Anzeiger, dass die Ciaconna von Dopper ein „sehr bedeutsames Werk ist, das in seinem Aufbau sehr stark an eines jener ereignisvollen Bilder des Pieter Brueghel erinnert, und das sich auf Grund dieser unverkennbaren Verwandtschaft mit Recht gotisch nennen darf.“ Er bezeichnet das Werk als „eine reife, symphonisch weite Arbeit, von tiefer Nachdenklichkeit getragen, einer Nachdenklichkeit, die unausweichbar den Zuhörer mit in ihre Gedankengänge zieht!“

In der Nacht von Sonntag auf Montag, den 18. September 1939, um zwanzig Minuten nach zwei, beendete ein Herzstillstand das bewegte Leben von Cornelis Dopper. Die niederländische Musikwelt reagierte geschockt, für Dopper kam der Tod wie eine Erlösung. Er wurde wie ein Held begraben, von seinem geliebten Concertgebouw aus, dem er so viele Jahre seines Lebens gewidmet hatte. Hunderte Amsterdamer säumten die Strecke, um ihrem geliebten Kees Dopper die letzte Ehre zu erweisen. Trotzdem geriet er danach schnell in Vergessenheit. Seine Musik wurde kaum noch aufgeführt.

Mit der Ausstellung und dem Musikfestival hoffen sowohl die Stiftung Cornelis Dopper, unter der begeisterten Leitung von Joop Stam, als auch das Veenkoloniaal Museum das Interesse für Cornelis Dopper wiederzubeleben.

 


Herman Mees, der Porträtmaler zurück in Veendam,
7.Juni bis zum 20. September 2009


Der Rotterdamer Porträtmaler Herman Mees wurde am 19.September 1880 in Veendam geboren. Sein Vater war Hausarzt in Veendam. In 1897 zog die Familie Mees um, die am Oosterdiep wohnten in das Gebäude, dass später das AVEBE- Büro werden sollte und wo nun Compaen untergebracht ist, nach Rotterdam. Dort legte Herman Mees im Jahr 1899 das Examen für die HBS ab. In 1905 schloss er erfolgreich in Den Haag sein Diplom als Lehrer für den Sekundärunterricht im Zeichnen ab. Mees wurde von den theosopischen Gedanken erfasst. Die theosopische Lehre schrieb ein einfaches Leben vor ohne viele Bedürfnisse. Nach dem Erlangen des Diploms zog er in die weite Welt hinein. Nach Wanderungen in London, Paris, München und Dresden lies er sich doch wieder in London nieder. Die Wahl für diese Stadt war sehr bewusst. In London war das Hauptquartier von der theosopischen Bewegung zu finden. Dort traf er Arthur Ayliffe, mit dem er viel philosophierte. Die Londoner Parkanlagen fand er herrlich und er machte Hunderte von Bleistiftskizzen und Studien mit dem Pinsel. 1914 zog es Mees nach Spanien, aber musste schon schnell wieder wegen des Krieges flüchten. Im Jahr 1917 nimmt er eine Stelle als Lehrer an der Rotterdamer Kunstakademie an. Die Akademie gab ihm in den ersten Jahren jährlich fünf Monate Studienurlaub. Er hielt sich dann überwiegend in Italien und Spanien auf. Doch wog nach ihm die Schönheit von der italienischen Taormina nicht auf gegen die Ekstase die einen Ausflug durch den Rotterdamer Hafen bietet. Die meiste Zufriedenheit fand Mees in der Freundschaft mit dem Haagener Maler Willem van Konijnenburg, der laut Mees neben dem Talent zum Malen auch viel Weisheit besaß. Konijnenburg war ein guter Lehrmeister. In 1924 wurde Mees Hauptlehrer von der Rotterdamer Akademie. Dort blieb er bis 1943 im Amt. Mees wusste die Rotterdamer Akademie zu einer sehr erfolgreichen Schule auszubauen. Nach seinem Weggang veränderte sich die Ordnung und die Erfolge von den Schülern gingen nach ihm zurück auf null! 

Meer konzentrierte sich vollständig auf die Malerei. Bekannt wurde Mees mit seinen Porträts von Hochschullehrern und Rotterdamer Geschäftsleuten. Weiterhin malte er ganz viele Kinderporträts. Im Gegensatz zu seinem Veendamer Kollegen Peizel war Mees absolut nicht konservativ.

Herman Mees lebte mit jeder neuen Kunstrichtung und versuchte diese zu begreifen ohne sie zu kritisieren, was Peinzel regelmäßig tat. Mees besuchte viele Ausstellungen, um im Bilde zu bleiben über die neuen Entwicklungen in der Kunst. Sein eigenes Werk wurde übrigens dadurch nicht beeinflusst. Sesshaft wurde Mees ebenso wenig. In seinem 80. Lebensjahr reiste er zusammen mit seiner Frau noch nach Marokko um dort Porträts zu malen.

Schließlich verbrachte er seine letzten Lebensjahre in Zuidlaren, genoss die Natur und den Lauf der Jahreszeiten. Am 28. November 1964 kam das Ende eines sehr arbeitsamen Leben. Werke von Herman Mees sind zu finden in verschiedenen bekannten niederländischen Museen.

In der Ausstellung zeigen wir das breite Oeuvre von diesem in Veendam geborenen Künstler. Bei der Ausstellung erscheint eine von Marten Minkema geschriebene Biografie.


50 Jahre Baptistengemeinde Veendam Wildervank
vom 9.Mai bis zum 23. August 2009


In 1959 wurde die Baptistengemeinde Veendam gegründet. Das will übrigens nicht besagen, dass die Baptisten hier vor der Zeit nicht aktiv in der Region gewesen sind, stärker noch, die Mission fing in den Veenkolonien an.

Die Union der Baptisten Gemeinde in den Niederlanden ist entstanden im Jahr 1881. Die Grundlage von den niederländischen Baptisten liegt übrigens in den Veenkolonien.

Sehr wichtig war das Werk, von dem im Jahr 1805 in Winsum geborenen Johannes Elias Feisser. Er promovierte 1828 in Groningen in Theologie und wurde Prediger in Lekkum, Winschoten und Franeker. Ein einschneidendes Erlebnis veränderte sein Leben. In Franeker starben seine Frau und zwei Kinder. Feisser konnte den Mut nicht mehr aufbringen um zu predigen und suchte Wärme und Unterstützung im elterlichen Haus in Veendam. Sein Vater war Einnehmer von Staatssteuern beziehungsweise Steuerbeamter, in Veendam.

 

Im Jahr 1839 wurde Feisser schließlich wieder Prediger und nun in Gasselternijveen. Dort löste er sich von der Mensch zentrierten Theologie durch das lesen von Briefen von dem Prediger Newton. Der persönliche Glaube beginnt für ihn immer stärker zu werden und viele kommen nach Gasselternijveen um seine Predigten zu hören. Nicht jedem passt diese Wende im Denken und im Jahr 1843 wird er aus seinem Amt gesetzt, weil er sich weigerte, die Kindtaufe zu bedienen. Danach kommt Feisser in Kontakt mit Baptisten aus Hamburg.

Im Jahr 1845 lässt er sich zusammen mit sechs anderen zum Baptisten taufen, in das Fehnkanal beim Bauernhof von Roelof Reiling in Nijveensche Mond. Feisser bildet zusammen mit Arend Speelman, Roelof Reiling, seiner Frau Geertuida Reiling-Teissens und den Brüdern Willem, Jannes und Hendrik Kruit die Quelle von der Baptistengemeinschaft in den Veenkolonien. Die Taufe wurde vollbracht durch Bruder J. Köbner, Mitglied von der Baptistengemeinde Hamburg. Feisser predigte später u.a. in Amsterdam und Nieuwe Pekela. Dort starb er 1865.

Momentan zählt die Union der Baptisten rund 12.000 Mitglieder, die angeschlossen sind bei einer der 83 örtlichen Gemeinden. Die Union hat eine eigene theologische Ausbildung, das Baptisten Priesterseminar.

Durch eine neue Organisationsstruktur ist im Jahr 2002 das Gottesdienst Zentrum von der Union der Baptistengemeinde in den Niederlanden entstanden, ein Ausbildungsinstitut an das sich Gemeinden und Individuen wenden können, um für Wissen, Beratung, Medium, Lehrgänge, Ausbildung und Vorbereitung inhaltliche und sachliche Unterstützung zu erhalten. Sowohl das Priesterseminar als auch das Gotteshaus sind seit Juli 2008 in Barneveld ansässig.


„Eigener Weg“ - Übersichtsausstellung Lammert Boerma

17. Februar bis 25. Mai 2008

Lammert Boerma (1948) wurde in Borgercompagnie geboren und wuchs auch dort auf. Der Bauernhof, auf dem er zur Welt kam, stand 300 Meter von seinem Wohnhaus entfernt und ist leider abgebrannt. Sein Vater war Bauer, Lammert aber bastelte lieber an Mopeds herum, anstatt sich für die Landwirtschaft zu interessieren. Aufgrund seiner Vorliebe für Technik entschloss er sich nach der Hauptschule die technische Fachoberschule zu besuchen, um einen Beruf in dieser Richtung zu erlernen. Während seines Militärdienstes arbeitete er für ein halbes Jahr als Panzermechaniker. Anschließend bekam er eine Stelle als Zeichner/Konstrukteur in einer Maschinenfabrik in Oude Pekela. Inzwischen war aber auch sein Interesse für Kunst gewachsen. Nach vier Jahren Arbeit in der Fabrik versuchte er das Malen mit seiner regulären Arbeit zu verbinden. Bis tief in die Nacht hinein malte er Bilder um sich danach am frühen Morgen wieder in die Fabrik zu begeben - es war eine unmögliche Kombination. Deshalb entschloss sich Lammert schließlich nach sieben Jahren zu kündigen und sich ganz der Kunst zu widmen. Boerma lies sich vor allem vom Werk von Salvador Dali inspirieren, der spanische Fantasierealist, der eine Welt mit spielerischen Formen und zuweilen beängstigenden Traumszenen erweckt. Das Werk von Lammert Boerma ist gewiss umstritten. Entweder es gefällt einem oder eben nicht. Ein Mittelweg ist beinahe unmöglich.
 


Die Malerei erlernte Lammert Boerma aus Büchern. Er verwendet eine Maltechnik aus dem 17. Jahrhundert: Eine Untermalung aus Ei- oder Kaseintempera wird mit einer teilweise transparent oder deckend aufgetragenen Ölfarbe vollendet. Die Schichtung der Farbe ist auch Teil der Darstellungen, in denen sich oft mehrere Geschichten abspielen. Die Szenen sind allerdings sehr modern und formen, auf großen Leinwänden, eine Mischung aus realistisch-surrealistischen und symbolischen Tendenzen. Der Mensch wird häufig nackt, verletzlich, dem eigenen Schicksal überlassen dargestellt. Themen sind u.a. Vergänglichkeit, Machtstrukturen, Konfrontation und Abhängigkeit zwischen Mensch, Technik, Religion und Erotik. Nach mehreren Ausstellungen im In- und Ausland entschloss sich Boerma im Jahr 1993 ein eigenes Museum einzurichten.

Lammert Boerma hat bereits früher einige seiner Werke im Veenkoloniaal Museum ausgestellt, dies ist jedoch seine erste große Werkschau in Veendam. Weiter Informationen erhalten Sie auf der Website www.museum-boerma.com .
 


Austellung Grüße aus Riga 2007

Neue Veröffentlichung auf Deutsch

H.A. Hachmer, Grüße aus Riga, ISBN 9789077548 , Preis € 19,50

In dieser Publikation blickt der Konservator Hendrik Hachmer auf die einzigartige Vergangenheit der Groninger Moorkolonien zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren Hunderte von Schiffen Richtung Ostsee. Riga war ein beliebter Zielhafen für Holz, Getreide, Backsteine, Leinöl etc., dorthin wurden die unterschiedlichsten Waren transportiert.

Die Fahrt durch den Kattegat oder auf dem Rendsburgkanal war beileibe nicht ungefährlich, aber die Hafenstädte der Ostsee hatten reichlich Fracht anzubieten, so dass man immer wieder dorthin zurückkehrte. Natürlich machten die Leute aus dem Groninger Land ausgiebig davon Gebrauch, als Passagier mitzureisen, und so konnte man an Bord der heimkehrenden Schiffe immer auch auf besondere Souvenirs stoßen.

Aus dieser Blütezeit der Seefahrt auf der Ostsee sind noch heute russische Glocken, Schalen aus Riga, Ostseelöffel, russisches Porzellan und Tujassen in den Moorkolonien anzutreffen.

Das reich illustrierte Buch „Grüße aus Riga“ beschreibt die besondere Geschichte, die sich hinter der moorkolonialen Vergangenheit  der Schifffahrt auf der Ostsee und den vielen interessanten Souvenirs verbirgt. Die Publikation enthält auch eine Übersicht über Gravuren der Ostseelöffel und eine Liste der Auftragsgeber für die Schiffsfrachten im damaligen Ostseeraum. Das Buch ist reich und farbig  illustriert. Die Ausgabe wurde sowohl ins Deutsche wie auch ins Lettische übersetzt und stellt von daher ein schönes Gastgeschenk für Firmen dar, die ihren Kunden einen besonderen Aspekt der fehnkolonialen Vergangenheit zeigen wollen. Das Buch ist auch über Internet zu bestellen: info@inboekvorm.nl




Nach einigen Verschiebungen ist es endlich soweit. Vom vom 25. März bis 16. September 2007 ist im Veenkoloniaal Museum die Ausstellung “Grüße aus Riga” zu sehen.




Conservator Hendrik Hachmer besuchte am. 5. April das Mencendorff Haus wo in 2008 die Ausstellung zu sehen ist. Beim Ankunft wurde er gebten ein Feuer zu entzünden.Foto N. Kuhn

http://www.mencendorfanams.com/index-en.php


 


 

Damals waren 60% der seetüchtigen Flotte der Niederlande in den Groninger Moorkolonien zu finden. Riga war ein beliebtes Ziel. Hin- und herbefördert wurden u.a. Holz, Getreide, Ziegelsteine und Leinsamenöl. Oft waren die Moorkolonien aber nicht das Endziel. Die Handelsschifffahrt nach England und Frankreich spielte eine vergleichbar große Rolle. Die Kapitäne der Moorkolonien waren die Trucker des 19. Jahrhunderts. Man fuhr über das Kattegat oder den Rendsburgkanal (Nord-Ostsee-Kanal) zum Zielhafen. Ganz ungefährlich war die Fahrt nicht, die Hafenstädte der Ostsee boten aber ausreichend Ladung an, um immer wieder zurückzukehren. Natürlich gab es in den Hafenstädten auch Zeit für Landgänge und man war immer froh, wenn man an Bornholm vorbei war.
Die Seeleute brachten aus dem Ostseeraum verschiedene Souvenirs mit nach Hause. Vieles ist im Laufe der Jahre verloren gegangen aber überraschend vieles auch erhalten geblieben. So besitzt das Veenkoloniaal Museum über 40 silberne Osteelöffel, dutzende Rigaschälchen und Tabaktöpfchen und das Kapiteinshuis in Nieuwe Pekela noch einige komplette russische Teeservice. Auch befinden sich noch staunenswert viele Gegenstände in Privatbesitz.
Mit der Ausstellung “Grüße aus Riga” will das Veenkoloniaal Museum in Veendam in Zusammenarbeit mit dem Sielhafenmuseum in Carolinensiel zeigen, dass in Groningen und im benachbarten Ostfriesland noch viel historisches Material, das an die damalige Ostseeschifffahrt erinnert, erhalten geblieben ist.

 

Der die Ausstellung begleitende, reich illustrierte Katalog beschreibt die verschiedenen Mitbringsel auch in deutscher Sprache. Lange sah es so aus, als könne kein Katalog zur Ausstellung herausgebracht werden; der in Assen ansässige Inboek Verlag erklärte sich aber zur Mitarbeit an diesem besonderen Projekt bereit. Erstmalig in den Niederlanden wird somit auch eine Liste mit Silber-Feingehaltsstempeln von bekannten Ostseelöffeln und eine Liste mit Schiffsbefrachtern im Ostseeraum publiziert. Auch den in der Region vorkommenden russischen Läutglöckchen, den vielen Tabaktöpfchen, Rigaschälchen sowie dem mitgebrachten russischen Porzellan wird große Beachtung geschenkt. Der Autor lässt natürlich auch nicht die Rolle der von den Moorkolonien aus betriebenen Ostseeschifffahrt außer Betracht.
 




 


Einleitung, Kreis der Geschichte

Riga, Ostsee, Ostfriesland und die Veenkolonien – dies klingt zunächst einmal nach einer seltsamen Kombination. Wer aber im Jahr 2007 ein Jahrhundert zurück gehen, und mit alten Menschen dieser Regionen sprechen könnte, der würde erkennen, dass die Ostseefahrten Mitte des 19. Jahrhunderts eine nicht wegzudenkende wirtschaftliche Rolle spielten und dass der Hafen von Riga oft angelaufen wurde.

Die ältere Generation in Orten wie Veendam und Carolinensiel könnte sich gewiss mühelos Erinnerungen und Anekdoten über die Häfen an der Ostsee ins Gedächtnis rufen. Die Leute würden die so genannten Riganappen ( Holzschüsseln), und die Kapitänslöffel hervorholen, die sie als Souvenirs aus Riga mitgebracht haben, und würden von den Schiffsmaklern erzählen, die einen mit Schnaps begrüßten. Natürlich gab es nicht immer nur Freude, sondern auch viel Leid. Es wurde jedoch sehr schnell von dem einen zu dem anderen umgeschaltet, man lachte wieder und erzählte von protzenden Kapitänen, die immer alles besser wussten, und von Küchenjungen, die das einseitige und vor allem salzige Essen an Bord zubereiten mussten.

Leider können wir aber in der Zeit nicht zurück und sind von Informationsquellen wie Logbüchern, Korrespondenz und Schiffsbuchführung abhängig. Dazu kommen stille Zeugen wie Schiffsportraits, Riganappen, Kapitänslöffel und Tujasen, die in Museen und privaten Häusern zu finden sind.

Es ist übrigens auffällig, dass die großen Schifffahrtsmuseen in den Niederlanden erst in den letzten Jahren Interesse für die Ostseefahrt zeigen, während die Schifffahrtsmuseen im Norden der Niederlande schon früher den Wert von Dokumenten und Gegenständen, die mit der Fahrt verbunden waren, erkannt hatten.

Auch das Veenkoloniaal Museum in Veendam besitzt diverse Objekte und Dokumente, die an die Fahrt auf der Ostsee erinnern.

Das Museum ist 1939 aus dem „Verein für Veenkoloniale Geschichte“ entstanden. Dieser, Anfang 1939 unter der Leitung des Veendamer Bürgermeisters De Zee gegründete Verein, hatte in der lokalen Zeitung aufgerufen, Gegenstände, die an die veenkoloniale Vergangenheit erinnern, bei dem Gemeindehaus in Veendam abzugeben. Der Appell hat gewirkt. Dutzende von Menschen stöberten auf ihren Dachböden und brachten unzählige Gegenstände zum Gemeindehaus. Am 15. Dezember 1939 wurde deswegen beschlossen, den Verein in eine Stiftung umzuwandeln. Das Veenkoloniaal Museum in Veendam war geboren.

Die Basis der Kollektion bestand aus Gegenständen, die dank des Zeitungsappells eingegangen waren.

Darunter fanden sich oft Gegenstände, die mit der Maritimgeschichte zu tun hatten. Nicht nur Schiffsmodelle, Schiffsportraits, Behälter für Schiffsdokumente, sondern in erster Linie die bereits vorher erwähnten Riganappen, Kapitänslöffel und Tujasen waren vorhanden.

Im Jahr 2004 beschloss das Museum die Einrichtung eines Rigasaals, in dem die Ostseefahrt im Mittelpunkt steht und viele Objekte aus dem Depot einen festen Platz bekommen. Die Front von einem nachgebauten Seemannskneipe und ein großes Foto des Rigahafens prägen wesentlich die Atmosphäre des Saals.

Wie ein Geschenk des Himmels fand 2005 das umfangreiche Archiv der Holzsägerei Koerts aus Oude Pekela seinen Weg ins Veenkoloniaal Museum. In diesem Archiv tauchten unter anderem diverse handgeschriebene Unterlagen von den Schiffsmaklern Kleinberg und G. W. Schröder aus Riga auf. Zum ersten Mal konnte  der Zusammenhang zwischen den handgeschriebenen Unterlagen und den Kapitänslöffeln mit dem Namen G. W. Schröder aus Riga darauf erstellt werden. Diese und Dutzende anderer Dokumente und Gegenstände bilden die Basis des Katalogs und der Wechselausstellung „Grüße aus Riga“, die von dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Hendrik Hachmer zusammengestellt wurde. Die Ausstellung und der Katalog „Grüße aus Riga“ kamen in der Zusammenarbeit mit dem Sielhafenmuseum in Carolinensiel zustande.

Der dazugehörige Katalog vermittelt dank dem vielfältigen Angebot von Informationsmaterial und Gegenständen ein Bild von der Fahrt auf der Ostsee und speziell von Riga, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Die historische und wirtschaftliche Bedeutung der Ostseefahrt an sich ist bereits eine wissenschaftliche Studie wert und wurde landesweit gesehen bislang  unterbewertet.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts könnte, angesichts der Entwicklungen in den Ländern der früheren Sowjetunion, die Fahrt auf der Ostsee wieder an Wichtigkeit gewinnen. Immer öfter setzen Seeleute auf modernen Frachtschiffen den Kurs in Richtung Riga und schicken von dort aus einen Gruß in die Heimat. Die Torffahrt von Riga  nach Delfzijl im 21. Jahrhundert schließt den Kreis der Geschichte der Ostseefahrt.
 


Bart Peizel

Vom 17. Juni bis 16. September 2007 wurde im Veenkoloniaal Museum in Veendam die Ausstellung über den Kunstmaler Bart Peizel (1887-1974) unter dem Titel "Bart Peizel, een heer tussen de joffers" ("Bart Peizel, "ein Herr zwischen den Jungfern") veranstaltet. Nie zuvor wurde dem Œuvre dieses Malers mit einer Ausstellung Beachtung geschenkt. Zum ersten Mal wurden seine Werke im ganzen Land und sogar in Norwegen aufgespürt, die nun gemeinsam einem Publikum präsentiert werden. Die Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle stammen sowohl aus der museumseigenen Sammlung, als auch aus befreundeten Einrichtungen, vor allem aber aus Privatbesitz. Sein Hauptwerk bilden die Porträts, in denen eine treffende Charakterdarstellung gelingt. Auch begegnen wir in traditionellem Stil gemalten oder gezeichneten Stadtansichten, Landschaften und Stillleben. 

Peizel kam als Sohn des Grundschuldirektors und Journalisten Cornelis Peijsel in Veendam zur Welt und wuchs dort auch auf. Nach der fünfjährigen HBS (Höhere Bürgerschule) geht er zur Twentsche Bank in Almelo; sein Herz schlägt jedoch für die Malerei. Bereits nach kurzer Zeit verlässt er Almelo und nimmt Unterricht an der Kunsthochschule Academie Minerva in Groningen. 1910 zieht es ihn nach Amsterdam, um an der Rijksnormaalschool voor Kunstnijverheid (Kunsthandwerksschule) weiterunterrichtet zu werden. 1931 erzielt er die Lehrbefähigung für das Fach Zeichnen, das er von da an an höheren weiterführenden Schulen unterrichten kann.


 

Durch seine Eheschließung mit Thérèse Ansingh im Jahre 1917 kommt er in Kontakt mit dem Kreis um die Amsterdamse Joffers. Bereits schnell wird er in die Amsterdamer Kunstszene und den Kreis von wichtigen Geschäftsleuten eingeführt, die sich auch von ihm porträtieren lassen. Er schließt sich verschiedenen Künstlergruppen in Amsterdam und Den Haag an. Im Laufe der Zeit hat er unterschiedliche Verwaltungsfunktionen inne; u.a. den Vorsitz von St. Lucas über einen Zeitraum von 27 Jahren. Er entwickelt sich zu einem bekannten Porträtmaler und verewigt viele Professoren, Großindustrielle, Regenten und Regentinnen auf der Leinwand.
 

 

Peizel segelte gern und oft, was ihn viel herumbrachte. Er unternahm diverse Studienreisen nach u.a. Frankreich, Spanien, Italien und Algerien. Bart Peizel war ein produktiver Maler, der vor allem viele Porträts schuf. Diese kennzeichnen sich u.a. durch einen genauen Blick fürs Detail, wobei vor allem die Hände berücksichtigt werden, weil “eine Hand oftmals noch stärker als das Gesicht das Wesen der abgebildeten Person zum Ausdruck bringt!”

Obwohl er von 1917 an nicht mehr umgezogen war, hielt er den Kontakt mit seinem Geburtsort aufrecht; im Laufe der Jahre malte er noch verschiedene Veendamer.

 

Für die Ausstellung wurde eine Auswahl aus seinen Werken getroffen. Der bei Uitgeverij Noordbroek erscheinende Begleitkatalog von Drs. Petra Maters wird möglichst viele aufgespürte Werke von Bart Peizel enthalten.