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DEUTSCHE INFO
Willkommen im Veenkoloniaal Museum in
Veendam
Das Museum wurde im Jahre 1939 gegründet und ist seit den
neunziger Jahren in der ehemaligen Rijks HBS (Realschule) von
Veendam untergebracht. Hier bekamen wir auf zwei Etagen
reichlich Raum, um die spannende Geschichte der Groninger
Moorkolonien zu erzählen; Moorkolonien, die einst zum
unermesslichen Bourtanger Moor gehörten, das sich bis nach
Drenthe und das angrenzende deutsche Emsland erstreckte. Mit
dieser Broschüre nehmen wir Sie mit auf die Reise durch das
Museum.
Mesolithikum (10.000 v. Chr. - 7600 v. Chr.)
Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre fand unsere
Arbeitsgruppe Prähistorie an verschieden Stellen in den
Moorkolonien Spuren von mesolithischen (mittelsteinzeitlichen)
Siedlungen. Das bezeichnendste waren wohl die Feuermulden, die
während der Untersuchungen wortwörtlich ans Tageslicht kamen. In
diesen Feuermulden fand man hunderte Stückchen verkohlte
Haselnussschalen. Auf der linken Seite dieses Saals wird die
Ausgrabung symbolisch dargestellt; eine Rekonstruktion des
Erscheinungsbildes der moorkolonialen Landschaft in der
Mittelsteinzeit ist rechts zu sehen. Es war eine offene
parkartige Landschaft, wo die Menschen vor etwa 10.000 Jahren
wohnten. Gezeigt werden auch Rekonstruktionen von damals
verwendeten Werkzeugen.
Um 5000 v.Chr. veränderte sich das Klima – unsere Umgebung wurde
nasser. Dieser Klimaveränderung ging ein verstärkter Waldwuchs
voraus. Für Jäger und Sammler waren diese Wälder weniger
interessant, weil sie den Beutetieren mehr Möglichkeiten boten
zu entkommen. Die Verdichtung wird hier durch einen kräftigen
Tannenbaum symbolisiert.
Moorwachstum und Moorpioniere
Ab 5000 v.Chr. begann das Moor langsam zu wachsen. Die
Moorschicht wuchs nur wenige Millimeter pro Jahr, durch die
Vernässung starben Wälder ab. Reste dieser Wälder wurden und
werden von den Menschen, die im Moor arbeiteten und arbeiten, in
Form von Kienholz wiedergefunden. Stücke dieses Kienholzes sind
vor und in der Moorwand angebracht. Einige Stämme sind über 2000
Jahre alt.
In der linken Wand sind Gegenstände zu sehen, die von Menschen,
die ab und zu das Moor betraten, hinterlassen wurden. Eine
Besonderheit sind die Reste eines Wagenrades, das aus der Zeit
2500 v.Chr. stammt. Diese wurden Ende des 19. Jahrhunderts
zusammen mit einem anderen Rad in Musselkanaal von Torfstechern
gefunden. Wahrscheinlich war dieses Rad Teil einer Grabbeigabe.
Auf der rechten Seite ist eine Vitrine mit einem Rinderhorn zu
sehen. Auch dieses Horn wurde von Torfstechern gefunden und
bereits im 17. Jahrhundert von Arent Hamminck mit einem
Silberbeschlag versehen und zu einem Trinkbecher umgewandelt.
Die übrigen Gegenstände wurden von den Torfstechern und ersten
Bewohnern des Moores zurückgelassen. Der größte Teil kommt aus
der im Jahre 1599 gegründeten Moorkolonie Oude Pekela.
Die drei übereinander angeordneten Modelle veranschaulichen den
Prozess der Torfabbauarbeiten. Wir blicken von Norden nach Süden,
wobei die Stadt Groningen auf der rechten Seite gerade außerhalb
des Modells liegt und Winschoten auf der linken Seite.
Das Gemälde von Mancadan zeigt uns die ersten Torfabbauarbeiten
in der Nähe von Wildervank. Seinen Namen verdankt dieser Ort
Adriaan Geerts Wildervanck, der dieses Moorgebiet im 17.
Jahrhundert erwerben konnte. Wildervanck war einer der wenigen
großen privaten Torfstecher in der Region; die anderen Gebiete
wurden oftmals von so genannten Kompanien angelegt.
Entlang des Kanals
Die Dörfer der Moorkolonien entstanden als lange Bänder entlang
des Kanals, der zuerst zur Entwässerung des Moors und später als
Transportweg für den abgetragenen Torf diente. Bereits schnell
siedelten sich allerlei kleine Unternehmen am Kanal an. Die
vielen - zuweilen über 15.000 - Schiffe, die jährlich durch den
Kanal fuhren, sorgten auch für eine enorme Betriebsamkeit an den
Schleusen. Das Modell zeigt uns die Schleuse in Martenshoek.
Hier gab es auch dutzende Geschäfte. Entlang des Kanals
entstanden auch immer mehr Betriebe wie z.B. Werften und
Sägewerke. Das Schild erinnert an das Sägewerk von K. und J.
Wilkens. Sie besaßen auch eine eigene Schiffshelling sowie eine
Reederei. Die Familie Wilkens kam, wie so viele Pioniere,
ursprünglich aus Westfalen. Das kleine Dorf Kalkwijk Lula
hingegen wurde z.B. von geflüchteten Schweizer Mennoniten
bewohnt. Familiennamen wie Leutscher, aus dem Leutscherthal
stammend, aber auch Namen wie Muller, Thöne und Theiken erinnern
an ihre Herkunft.
Schiffswrack
Das
Schiffswrack erinnert an die vielen Schiffe, die ihr Ziel nicht
erreichten. Torf wurde vor allem in die Provinz Holland
exportiert. In Städten wie Amsterdam, Rotterdam und Den Haag
fanden sich die meisten Abnehmer. Hochbeladene Torfschiffe
fuhren über die damalige Zuiderzee, das heutige IJsselmeer.
Während so mancher Novemberstürme fanden einige Schiffe aus den
Moorkolonien hier auf dem Meeresboden ihre letzte Ruhestätte.
Beim Bau der IJsselmeerpolder kamen mehrere Wracks wieder zum
Vorschein.
Moorkoloniale
Seefahrt
Aus der Torffahrt entwickelte sich die moorkoloniale Seefahrt.
Ab 1770 steuerten immer mehr Schiffer Ziele wie Bremen und
Hamburg an – die Seefahrt blühte auf. Aus dieser Fahrt
entwickelte sich die Fahrt in die baltischen Länder. Über das
Kattegat kommend legten schließlich immer mehr Schiffe in Häfen
wie Riga, St. Petersburg und Königsberg an. Einige Schiffer
unterhielten von hier aus Liniendienste mit Städten in England
und Frankreich. Koks, Steinkohle, Pottasche, Hopfen, Wein,
Getreide und Genever waren bedeutende Frachtgüter. Zierliche
Kacheln aus Friesland aber auch Backsteine wurden als Ballast
zur Ostsee gefahren. Um 1860 erlebte die moorkoloniale Seefahrt
eine zweite Blütezeit. Über 60% der niederländischen
Handelsflotte stammte damals aus den Groninger Moorkolonien.
Über das Schiffswrack und ein nachgebautes Schifferkaffee aus
Riga gelangen Sie in einen Saal mit einem großen Foto des Rigaer
Hafens. Die Vitrinen sind mit Andenken aus Russland gefüllt.
Fortsetzung
Seefahrt und Winkler Prins
Nach
dem Seefahrtssaal stehen wir hier vor einer imposanten Treppe.
Hunderte Schulkinder haben die Treppenstufen von 1911 bis 1987
ausgetreten. Die Jacken, die über der Treppe schweben gehörten
ehemaligen Schülern. Links von der Treppe sehen Sie das Modell
der Kuff Afien. Die Afien Smit lief 1840 in Oude Pekela vom
Stapel. Bei diesem Schiff stehen wir nahe beim Winkler-Prins-Kabinettschrank.
Anthony Winkler Prins (1817–1903) war der Begründer der
Seefahrtsschule und die treibende Kraft der Volksbildung und
wirkte als Pfarrer in einer Mennonitengemeinde in Veendam. In
Veendam arbeitete er von 1868 bis 1881 am Zustandekommen der
Winkler-Prins-Enzyklopädie. Diese sechzenteilige Ausgabe ist in
dem Schrank zu sehen. In den “großen Büchern” auf der rechten
Seite ist die moderne Version des Lexikons zu sehen; im anderen
Buch wird den Freimaurern Beachtung geschenkt. Winkler Prins war
im Jahre 1879 auch der Gründer der noch heute existierenden
Freimaurerloge Noorderlicht in Veendam.

Schifferzimmer
Durch den Flur gehend kann man die Geschichte weiter verfolgen.
Hier sind verschiedene Gemälde von Schiffen aus den Moorkolonien
zu sehen. Über den Flur gelangt man in das Schifferzimmer.
Auffallend in dem Zimmer ist ein Kamingemälde über dem Kaminsims.
Es zeigt den Besuch von König Willem I in Veendam. Im Jahre 1837
unternahm dieser eine Popularitätsreise durch die Niederlande
und besuchte am 14. Juni Landhaus Veenlust. In der Schrankwand,
gegenüber vom Kamin, sind einige Mitbringsel aus England zu
sehen.
Schleusenkai
Über das
Schifferzimmer erreicht man den Schleusenkai. Ein Laden und ein
Café waren an jeder Schleuse zu finden. Der Schiffer musste
schließlich warten, bis er die Schleuse passieren konnte. Oft
bot sich dann die Gelegenheit, kurz von Bord zu gehen. Neben dem
Laden sehen wir den Schuppen eines Bootsbauers. Die Schaluppe
wurde 1948 von dem Bootsbauer Oorbur für den Schiffer Stemmer
gebaut.
Ebenhaëzer
Auf dem Innenhof des Museums liegt der Kahn Ebenhaëzer. Dieses
Schiff kann auch von innen besichtigt werden. Hier wohnte und
arbeitete einst eine Familie mit sechs Kindern. Die Ebenhaëzer
transportierte u.a. Kartoffeln, Stroh und Torf. In den fünfziger
und sechziger Jahren wurde sie vor allem zur Beförderung von
Kartoffeln vom Bauern zur Kartoffelstärkefabrik in Foxhol bei
Hoogezand eingesetzt.
Strohpappeindustrie

Im über das Café
zu erreichenden ersten Stockwerk unseres Gebäudes können Sie die
das Bild bestimmende Strohpappenindustrie kennen lernen. Nach
der Torfgewinnung spielten zuerst Schifffahrt und Schiffsbau
eine immer größere Rolle. Ab 1870 ließen sich stets mehr
Strohpappefabriken in der Region nieder. Die Idee kam aus
Deutschland, wo bereits Mitte des 19. Jahrhunderts im Reiderland
um den Ort Weener einige Strohpappefabriken zu finden waren. Zur
Herstellung der Pappe wurde Stroh verwendet, das aus den
Marschgebieten am Dollart kam. In den Niederlanden wurde Stroh
verwendet, das aus dem an das Reiderland grenzende Oldambt
stammte. Der Torf für die Dampfmaschinen kam aus den
Moorgebieten. Oude Pekela, gelegen auf der geologischen Grenze
zwischen Moor- und Lehmboden, entwickelte sich zum Zentrum der
Strohpappeindustrie. Seit Mitte der siebziger Jahre des
vergangenen Jahrhunderts wird hier kein Stroh mehr verarbeitet.
Die Strohpappeindustrie hatte eine enorme Umweltverschmutzung
zur Folge. Heutzutage wird ausschließlich Altpapier recycelt.
Scholten-Zimmer
Im zweiten
Stockwerk schenken wir der Kartoffelstärkeindustrie unsere
Aufmerksamkeit. Dem Ausstellungssaal geht das Scholten-Zimmer
voraus. 1842 errichtete Willem Albert Scholten in Foxhol
seine erste Fabrik. Willem Albert Scholten entwickelte sich
zum ersten multinationalen Konzern Europas. Ein Nachbau des
Scholten-Zimmers wurde im ersten Stockwerk direkt hinter dem
Kartonsaal eingerichtet. Als geschützte Handelsmarke
benutzte er das doppelte Dreieck, die symbolische
Darstellung eines Stärkekristalls. Der Erfolg von Scholten
ermunterte viele andere Privatunternehmer zur Nachfolge.
Kartoffelstärkeindustrie
In jedem Dorf der Moorkolonien gab es Ende des 19.
Jahrhunderts mindestens eine Kartoffelstärkefabrik. Diese
Fabriken machten immer häufiger Preisabsprachen. Dies zum
Ärger der Bauern, die daraufhin beschlossen, cooperative
Fabriken zu gründen. Im Jahre 1898 entstand die erste
cooperative Fabrik in Bogercompagnie. Viele andere folgten.
Das Endprodukt, die Stärke, wurde von der AVB und späteren
AVEBE vertrieben. Die AVB trat zuerst nicht als Produzent in
Erscheinung, sondern lediglich als Verkaufsbüro. Später
wurde sie auch Produzent. In Ter Apelkanaal befindet sich
heute ihre größte Stärkefabrik.
Über die Treppe können Sie wieder zum ersten Stockwerk
zurückkehren. Durch den Film "Het lint doorbroken" (Das Band
durchbrochen) kann man das Veendam der zwanziger Jahre
kennen lernen. Im ersten Stockwerk wurde auch Platz für
Wechselausstellungen geschaffen. Darüber hinaus gibt es
neben der Museumsbibliothek den Tiemo Zeitlos Themaraum, in
dem Kinder nach Herzenslust spielen können während ihre
Eltern sich umsehen.
Danke für Ihren Besuch.
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